Pfuscher in Chefsesseln
Dieser Sommer war unrühmlich für die Bauherren. Millionenschwere Bauskandale sorgten für Schlagzeilen und werden noch ein Nachspiel haben. Es begann mit der Kostenexplosion beim Flughafenprojekt Skylink: statt der ursprünglich geplanten 361 Millionen belaufen sich die Projektkosten nach letztem Stand auf 894 Millionen Euro. Die Flughafen-Betriebsgesellschaft zog die Notbremse und verhängte einen Baustopp. Dann folgte die unklare Kostenfrage beim Krankenhaus Wien Nord, das statt ursprünglich kolportierten 605 Millionen Euro Gesamtkosten nun mit Ausstattung doch eine knappe Milliarde kosten könnte. Und zuletzt zogen die Österreichischen Bundesbahnen die Ausschreibung beim Wiener Hauptbahnhof zurück, da alle Anbote mehr als 20 Prozent über jenen 210 Millionen Euro lagen, die der Bauherr für diese Projekt kalkuliert hatte.
Der wirkliche Skandal bei diesen Skandalen ist rasch auf den Punkt zu bringen: Riesige staatsnahe Unternehmungen managen ihre Bauprojekte absolut dilettantisch. Die Großbauherren haben die Kosten schlechter im Griff als der kleine Häuslbauer. Der würde nämlich kaum wie die Flughafenvorstände mit staunenden Augen endlos lange zusehen wie sein Einfamilienhaus teurer und teurer und teurer wird. Klar sind Großprojekte um ein vielfaches komplexer als Einfamilienhäuser. Aber die Unternehmungen, um die es hier geht - Flughafen Wien, Stadt Wien, ÖBB - haben große und teure Apparate für ihre Bauprojekte. Da dürften die Steuerzahler wohl vertrauen können: In den Entscheidungsteams sitzen Experten, die genau rechnen können und die für die bei solchen Vorhaben durchaus vorhandenen Unwägbarkeiten nicht Zahlen aus dem Traumbuch einsetzen.
Es ist doch nicht zu viel verlangt, dass ein Großauftraggeber ein Projekt im Interesse der Steuerzahler professionell abwickelt. Auch wenn man die „schwierige Grauzone zwischen privat und Staat“ mit bedenkt. Nichts vermindert die Verantwortung der Chefetagen. Langmut, Traumzahlen und Pfusch haben im Baugeschäft nichts zu suchen. Es geht schließlich um Steuergelder und professionelles Vorgehen. Was es braucht sind Manager, die sich fähige und selbstbewusste Experten an Bord holen. Experten, die planen können, die rechnen können und wissen, was sie tun. Die den Mut haben, reale Zahlen zu nennen, rechtzeitig auf Kostenerhöhungen hinzuweisen und die Gründe dafür nicht verschweigen.
Aber in diesen Fällen sowie in anderen davor wurde schlichtweg Pfusch geleistet. Pfusch darf beim Bau kein Kavaliersdelikt sein. Auf der Baustelle nicht, wo Jäger der finanzamtlichen Sondergruppe KIAB unterwegs sind, um illegal Beschäftigte aufzuspüren, und in den Chefetagen schon gar nicht. Sparsamkeit kann jedenfalls nicht Ursache der Peinlichkeiten sein. Denn rechnet man die Kosten der Pfusch-Entscheidungen solcher Planung zusammen, könnte eine professionelle Abwicklung durch entsprechende Experten locker bezahlt werden. Höchste Zeit, dass hier ein anderer Wind weht, im Interesse aller Beteiligten. Denn letztendlich beschädigen solch kapitale Bauherrenfehler das Image der gesamten Branche wieder und wieder.