Okt
14
11:26

Ursache & Wirkung

Über Ursache und Wirkung, kurz Kausalität, wird schon seit Aristoteles leidenschaftlich gestritten. Ein aktueller Anlass im Bausektor ist die Förderung zur thermischen Gebäudesanierung, vulgo Sanierungscheck.

Nach offizieller Lesart, die auch von breiten Teilen der Bauwirtschaft geteilt wird, war die Aktion ein voller Erfolg: 15.000 private Förderanträge haben ein Investitionsvolumen von 510 Millionen Euro ausgelöst. Was will man mehr?

Einer vertieften Prüfung hält diese Argumentation aber kaum Stand. Denn es stellt sich die berechtigte Frage: Wieviele Sanierungsprojekte wurden durch die Förderung ZUSÄTZLICH ausgelöst? So viel wir bisher wissen, nur sehr sehr wenige. In einer Erhebung aus dem Mai dieses Jahres bei rdund 1.000 Häuselbauern & Sanierern werden vor allem die niedrigen Zinsen und die Angst vor der Hyper-Inflation als entscheidende Treiber für ein Sanierungsprojekt im heurigen Jahr genannt. So wie der Sanierungsscheck konzipiert war, führte er bloß zu einem enormen Mitnahmeeffekt. Nicht die sozial Schwachen kamen in den Genuss, sondern jene, die ihr Angespartes in Realinvestitionen umschichteten.

In Österreich werden seit Jahren von privaten Haushalten jährlich an die 120.000 Sanierungsprojekte bei Fenstern, Fassade und Dach durchgeführt. Das Investitionsvolumen liegt bei insgesamt 1,6 Milliarden Euro pro Jahr. Auch schon bisher wurde auf Landesebene eine energetische Gebäudeoptimierung gefördert. Nach bisherigen Zahlen wird auch 2009 die Nachfrage im langjährigen Durchschnitt liegen. Von einer signifikanten Steigerung der Sanierungsquote in Ein- und Zweifamilienhäusern ist jedenfalls nicht auszugehen.

Bauwirtschaft, Sanierungsscheck, thermische Sanierung, Marktanalyse

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