So nicht...
Es gibt viele Wege, um durch schwierige Zeiten zu kommen. Einer jedenfalls kann es nicht sein: verschanzen, zurückziehen am falschen Ort sparen, wie es derzeit die Bauunternehmen tun.
Jetzt ist es fix. „Es wird nie mehr eine Probau geben“, sagt Robert Schneider. Der Welser Messedirektor trägt damit ein junges Kind zu Grabe. Er verabschiedet die einzige österreichische Baumesse, auf der sich Bau- und Baunebengewerbe alle zwei Jahre präsentieren konnten. Zugegeben: Manche haben es als kuriosen und liebenswerten Versuch gesehen, für den österreichischen Markt eine eigene Baumesse zu veranstalten. Wo die Münchner Großmesse BAUMA bloß 200 Kilometer von der 60.000-Einwohner-Stadt Wels entfernt ist. Man denkt sich, dort kommen eh alle zusammen. 2006 hat die Probau als einzige österreichische Baumesse mit 110 Ausstellern in fünf Hallen begonnen.
2010 findet sich keine Probau mehr am Plan. Sie wird von der Energiesparmesse Wels geschluckt. Ohne dass man damit an die Öffentlichkeit geht. „Integriert“ nennt es Schneider und ergänzt: „Das Konzept der Probau hat nicht ausreichend Besucher und Aussteller aquirieren können.“ Im Klartext heißt das: Zu wenig Interesse und zu wenig verkaufte Ausstellerflächen. Somit sehen Bauunternehmen und Baunebengewerbe keinen Grund mehr für eine Messe. Sie sparen sich das Geld für den Aufwand, der nicht direkt mit dem operativen Geschäft zusammenhängt, lieber. Und das genau zum falschen Zeitpunkt.
Die wirtschaftlichen Aussichten sind nicht sonnig aber immerhin stehen die Zeichen auf zähen Aufschwung. Wifo und IHS sehen die Talfahrt im dritten Quartal gestoppt. Die schlimmsten Befürchtungen der Forscher haben sich nicht bewahrheitet, sie korrigieren alte Prognose nach oben. Beide großen Wirtschaftsforscher sind sich einig: Im nächsten Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt real wieder um ein Prozent zunehmen. Die Bauunternehmen stoppen zum schlechtesten aller möglichen Zeitpunkte ihre Investitionen. Statt offensiv ihre Geschäfte anzukurbeln stellen sie ihre Weichen auf „Rückzug“.
Schon im Privatleben erweist sich die Strategie nur für potenzielle Eremiten als erfolgreich. Der Versuchung sich wartend zurückzuziehen erliegen dagegen viele. Aber bringt diese Decke-über-den-Kopf-und-Hand-aufs-Börserl-Technik im Wirtschaftsleben wirklich Erfolg? Gerade in schwierigen Zeiten schaffen Werbung, Marketing und Präsentation die Softskills der Unternehmen. Das wofür unter dem Druck des Tagesgeschäfts oft zu wenig Zeit bleibt: ein gepflegtes Image, persönliche Kundenkontakte und Vertrauen. Wenn die Firmen nicht in diesen Zeiten darauf setzen, wann dann? Mit der Rückzugs-Strategie tun sich Bau und Nebengewerbe selbst nichts Gutes. Möge das zu Grabe getragene kleine Pflänzchen namens Probau ein „So nicht!“-Beispiel bleiben und produktiveren Strategien nicht den Weg verstellen.