I do it my way
Wenn Präsidentin Barbara Prammer das Bauen in die Hand nimmt, ist der nächste Bauskandal nicht mehr weit.
Parlamentspräsidentin Barbara Prammer ist offensichtlich ein großer Fan von Frank Sinatra. Denn dessen Welthit „My Way“ scheint ihr Motto bei der dringend notwendigen Sanierung des Parlaments zu sein. Prammer macht’s auf ihre Art. Und sie schlittert mit dem Umbau des Hohen Hauses durch alle Eventualitäten einer Sanierung - ohne dem Ziel auch nur einen Schritt näher zu kommen.
Seit acht Jahren (!) wird über dieses Vorhaben diskutiert. Allein das wäre schon eine Eintragung ins Buch der Rekorde wert. Und heuer gab’s einen Zick-Zack-Kurs, bei dem einem nur noch der Mund vor Staunen offen bleibt. Im Jänner - als das Parlament Konjunkturpakete zur Ankurbelung der Wirtschaft schnürte - stoppte Prammer den Umbau des Plenarsaals. Damals standen Kosten von 17 Millionen Euro zur Diskussion.
Die BIG setzte sich mit Parlamentssanierung auseinander und kam zur Ansicht, für alle notwendigen Arbeiten seien 56,9 Millionen Euro notwendig. Diese Summe schreckte Frau Parlamentspräsidentin. Sie kam zur Ansicht, mit Einzelvergabe der Aufträge könne das Parlament billiger als mit dem vom BIG vorgeschlagenen Generalunternehmer saniert werden. Und bootete die BIG aus.
Einen Monat nach dieser Entscheidung wurde Barbara Prammer aufs Neue erleuchtet: Ende November erklärte sie, es werde alles wieder von Neuem durchdacht. Eine Generalsanierung sei nun doch wieder diskutierenswert. Dafür brauche man ja nur drei bis vier weitere Jahre!
Frau Präsidentin, welche Teufel von Beratern reiten sie? Ist jetzt - nach acht Jahren Diskussion - der rechte Zeitpunkt um alles wieder von vorne zu beginnen? Sind sie sicher, dass das Parlament günstiger bauen kann als die Bundesimmobiliengesellschaft? Wer hat die Baukompetenz im Parlament? Das Baukomitee unter dem Vorsitz des VP-Mannes Wolfgang Großruck oder der oberösterreichische Architekt Andreas Heidl, der angeblich vor ihrer Auftragsvergabe schon eifrig am Zeichnen ist? Zielloses Herumentscheiden, einmal so und einmal so – dieser „My-Way“-Weg führt mit Sicherheit nicht zu einem erfolgreichen Bauvorhaben, sondern zum nächsten Bauskandal.
Ihr Parlament, Frau Präsidentin, ist ein äußerst dringender Sanierungsfall. Es bröckelt, vermodert und feuchtelt immer mehr im Haus am Ring. Das können Sie im hauseigenen Internet* nachlesen. Dort steht geschrieben: Bei starkem Schneefall im Winter könnte das Dach den Parlamentariern auf den Kopf fallen. Ehrlich gesagt: manche wünschen das unseren Politikern - nicht nur klammheimlich.
Frau Prammer, es sei Ihnen ins Stammbuch geschrieben: Bei komplexen Projekten braucht es Professionisten - von der Planung bis zur Übergabe, vom Bauherren bis zum Installateur. Aber Sie gehen ihren My Way. Das mag bei einem Gartenhüttenbau erfolgreich sein. Bei der Parlamentssanierung führt es - wie wir sehen - zu einer endlosen Geschichte. Vertrauen Sie doch endlich Experten, die deutlich sagen: Nur ein Totalunternehmer garantiert einen fixen Endpreis. Der Bau der Therme Wien führt das gerade vor. Und Skylink hat gezeigt, wozu Verzögerungen und Einzelvergaben führen.
Frau Prammer, Sie tappen von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen mit dem Parlamentsprojekt. Solch einen Entscheidungs-Ping-Pong kann sich kein privater Bauherr leisten. Ihr „My Way“ führt schnurgerade in den Sumpf so mancher öffentlicher Aufträge – aber nicht zum Ziel.
Wie singt Frank Sinatra am Ende von „My Way“? "I took the blows and did it my way". Die Schläge, Frau Parlamentspräsident, für diese Inkompetenz bei der Sanierung des Hohen Hauses haben Sie bereits jetzt verdient.
* http://www.parlament.gv.at/LI/ZUSDATEIEN/09-02-25_Gutachten_Rant_Web.pdf