14.12.2009 12:43

Bauguide Mittel- und Osteuropa 2010

Polen: Vom Galopp in den Trab

Polens Bauwirtschaft kommt nicht außer Tritt. Die Wirtschaftskrise schlägt dem Land nur ein blaues Auge. Die Bauwirtschaft kommt beinahe ungeschoren davon. Die Bauproduktion wächst etwa im Tiefbau auch 2009 um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Polen, Krakau
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Polen, Marktanalyse
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Marktanalyse von Kreutzer Fischer & Partner

Ernst Kopp, Polen
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Ermst Kopp, Handelsdelegierter in Polen: "Für die österreichischen Unternehmen aus der Bauwirtschaft wird Polen weiterhin ein äußerst wichtiger Markt bleiben."

 

Nach aktuellen Zahlen wird die polnische Wirtschaft 2009 voraussichtlich um real +1,3 Prozent gegenüber 2008 wachsen. Wenngleich man damit im europäischen Umfeld mit einem hellblauen Auge davon kommt, ist der Rückgang in Anbetracht des starken Wachstums der Jahre davor nicht unerheblich. Auch der polnische Außenhandel kann sich nicht vom weltweiten Trend abkoppeln und schrumpft. Dem nach wie vor stark fremdfinanzierten, privaten Konsum fehlt infolge höherer Bonitätsanforderungen von Seiten der Banken die nötige Liquidität. Doch die Fahrt mit angezogener Bremse ist nur von kurzer Dauer. Bereits für 2011 wird wieder ein reales Wachstum von mehr als drei Prozent erwartet.

Moderate Nachfrage

Die Hochbauproduktion wird in Polen 2009 nach Einschätzung von KREUTZER FISCHER & PARTNER | Marktanalyse (KFP) um etwa -3,2% schrumpfen. Der Rückgang kommt zur Gänze aus dem Wohnungs-Neubau. Alle anderen Segmente stagnieren oder wachsen moderat weiter. Der Rückgang im Wohnungs-Neubau kommt nicht überraschend. Schon in den letzten Jahren zeichnete sich ein starker Rückgang bei den Baubeginnen ab. Für 2009 erwarten die Marktforscher einen Einbruch von etwa -28% gegenüber dem Jahr davor.

Stabilisierend auf den Wohnungs-Neubau wirkt sich die große Anzahl von in Bau befindlichen Objekten aus. Für die Anzahl der Fertigstellungen wird auch 2009 mit einem Anstieg von circa sieben Prozent gegenüber Vorjahr gerechnet. Treiber des polnischen Hochbaus bleibt aber der Nicht-Wohnbau, sowohl  im Neubau als auch in der Sanierung. Trotz Finanz- und Immobilienkrise wächst die Nachfrage moderat. Die zweistelligen Wachstumsraten der letzten Jahre sind aber mittelfristig wohl nicht mehr zu erreichen.

Der Nicht-Wohnbau wird in Polen im Wesentlichen vom privaten Sektor getragen, allen voran Industrie und Handel. Der Bürobau wächst mit fast +20,0% noch kräftig, hat aber durch die Immobilienkrise gewaltig an Schwung verloren. Aufgefangen wird die Konjunktur aber nicht zuletzt durch eine Ausweitung der Ausgaben von Seiten der öffentlichen Hand, hauptsächlich für den Schul- und Krankenhausbau. Auch die Errichtung von Stadien und Hotels für die Fußball-EM 2012 treibt den Konjunkturmotor an.

Fußball kurbelt an

Praktisch keine Auswirkungen der Wirtschaftskrise sind im Tiefbau zu messen. Für 2009 erwarten wir ein reales Wachstum von mehr als 20% auf einen Bauproduktionswert von nunmehr 17,5 Milliarden Euro. Treiber ist ohne Zweifel der Straßenbau mit allein fast acht Milliarden Euro. Dabei handelt es sich zum Großteil um bereits in Bau befindliche Projekte.

Doch auch bei den geplanten Baubeginnen sind keine nennenswerten Verzögerungen bekannt. Denn auch der Tiefbau profitiert von den notwendigen Infrastruktur-Investitionen für die Fußball-EM 2012. Durch den vergleichsweise hohen Anteil des Tiefbaus an der gesamten Bauproduktion Polens von 39 Prozent wird daher insgesamt die polnische Bauwirtschaft auch im Krisenjahr 2009 um 5,3 Prozent wachsen.

Optimismus berechtigt

Dementsprechend optimistisch ist auch die Prognose für 2010/2011. KFP erwartet im Hochbau ein reales Wachstum von +0,8% gegenüber dem Jahr 2008. Der Tiefbau wächst weiterhin zweistellig. Auch die Delle im Wohnbau ist nur von kurzer Dauer, da - Wirtschaftskrise hin oder her - der Wohnraumbedarf nachweislich besteht. Die Haushaltsquote, die Anzahl der Personen pro Haushalt, liegt nach wie vor deutlich über dem EU-Schnitt. Und die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen erlauben durchaus eine expansive Wohnbaupolitik. Mittelfristig ist daher von jährlichen Bewilligungen in der Größenordnung von 100.000 Wohneinheiten auszugehen.

Und nicht zuletzt wird die Baukonjunktur durch schrumpfende Baupreise gestützt. Wir rechnen 2009 mit minus 2,5 Prozent gegenüber 2008, bei einer Inflation von plus 3,3 Prozent. Das überrascht, steigen doch die Arbeitskosten 2009 um mehr als sechs Prozent. Offensichtlich werden sinkende Baustoffpreise 1:1 an den Markt weitergegeben. Und die Baustoffpreise in Polen sinken zum Teil kräftig. Im Gegensatz zu importierten Konsumgütern werden die Preise auch nicht durch die Abwertung des Zloty technisch verteuert.


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