14.12.2009 13:02
Bauguide Mittel- und Osteuropa 2010
Tschechien: Harter Schlag
Etwas härter als Polen trifft die Wirtschaftskrise Tschechien. In Tschechien bleibt die Konjunktur auch 2010 lahm. Nur der Tiefbau widersetzt sich dem negativen Trend erfolgreich. Ein Abschwung von minus 2,7 Prozent laut Eurostat oder gar minus 3,5 Prozent laut Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) steht dem Land bevor.
Nikolaus Seiwald, Handelsdelegierter für Tschechien: "Zu tun gibt es für das Bau- und Baunebengewerbe in Tschechien mittel- und langfristig genug."
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Auch die Baukonjunktur bremst sich beim nördlichen Nachbarn bereits 2008 stark ein. 2009 gibt es voraussichtlich ein da capo. Insgesamt rechnet KREUTZER FISCHER & PARTNER | Marktanalyse (KFP) mit einem Rückgang der realen Bauproduktion um minus 5,6% gegenüber dem Jahr 2008 auf nunmehr rund 21,7 Milliarden Euro. So ganz unerwartet kommt der Rückgang nicht. Zumindest in der Wohnbauproduktion ist er seit Jahren absehbar.
Die Baubeginne schrumpfen im mehrgeschossigen Wohnbau schon seit 2007, im letzten Jahr sogar um mehr als minus 10 Prozent. 2009 scheint sich der private Wohnbau diesem Trend anzuschließen. Wir erwarten bei Ein- und Zweifamilienhäusern für 2009 einen Rückgang der Baubeginne auf 22.000 Einheiten. Das sind um11 Prozent weniger als im Vorjahr. Infolge sinkt auch die Neubauproduktion 2009 um voraussichtlich minus 14 Prozent. Trotz alledem ist das Neubauvolumen im privaten Wohnbau in Tschechien nach wie vor höher als in Österreich. Erfreulich sind die Zuwächse in der Wohnbau-Renovierung, wenngleich damit das Minus im Neubau bei weitem nicht kompensiert werden kann. Zu gering sind die Investitionen insgesamt. Wie auch in Österreich wird die Sanierungstätigkeit stark von Programmen zur thermischen Gebäudesanierung getragen.
Der Markt korrigiert sich
Auch die Misere im Nicht-Wohnbau beginnt schon 2008. 2009 liefert das Segment mit minus 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr den entscheidenden Beitrag zum Nachfragerückgang im Hochbau. Doch es ist nicht alleine die Finanz- und Immobilienkrise, die den tschechischen Immobilienmarkt schockt. Die Ursachen des Marktrückgangs sind auch im raschen Wachstum der Jahre 2000 bis 2007 zu finden. Nach Zahlen von 2007 liegen die Pro-Kopf-Ausgaben im Industriebau um mehr als das Doppelte über dem westeuropäischen Durchschnitt, im Bürobau und bei Geschäftsgebäuden wird um die Hälfte mehr investiert.
Der Rückgang ist daher auch als Marktkorrektur zu werten. Wie auch in den anderen Mittel-Ost-Europäischen-Ländern stützt der Tiefbau die Baukonjunktur auch in Tschechien. Für 2009 erwartet KFP ein reales Wachstum von mehr als +12 Prozent gegenüber 2008. Treiber sind zum einen der Verkehrswegebau zum anderen Infrastrukturinvestitionen in Wasser und Energie. Die Investitionen in den Straßenbau wachsen 2009 voraussichtlich um knapp 20 Prozent auf nunmehr 5,2 Milliarden Euro. In die Schiene fließen über 2,4 Milliarden Euro, das ist ein Plus von 15 Prozent. Für Wasser & Energie werden mehr als 2,5 Milliarden Euro ausgegeben.
Zwei Jahre durchtauchen
Insgesamt geht KFP auch für 2010 von einem schwachen Markt aus. Die Bauproduktion über alle Sparten wird voraussichtlich real nochmals um ein Prozent schrumpfen. Im Wohnbau rechnen die Experten abermals mit einem Rückgang von rund zwei Prozent, der Nicht-Wohnbau könnte um etwa zehn Prozent nachgeben. Das Wachstum in Tiefbau verliert zunehmend an Fahrt. Für 2010 rechnet KFP mit rund 5 Prozent plus gegenüber 2009.
Aus makro-ökonomischer Sicht hat die stark gesunkene Inflation zur Entspannung beigetragen. Mit +1,1% gegenüber dem Vorjahr liegt Tschechien nun wieder im europäischen Mittelfeld. Auf die Baupreise hat dies aber offensichtlich keine Auswirkungen. Mit +4,0% steigen die Preise in keinem anderen MOEL-Land rascher. In Anbetracht der schrumpfenden Nachfrage würde man doch etwas mehr Preisflexibilität erwarten.
Doch die hervorragende Geschäftsentwicklung der letzten Jahre hat die Kassen der Branche gut gefüllt und man sieht augenscheinlich keinen Grund, sich die Preise in einem erhöhten Preiswettbewerb kurzfristig zu ruinieren. Lieber reduziert man die Kapazitäten durch massive Personalfreistellungen und taucht mal für zwei Jahre durch. Die weitgehend abgesteckten Claims in der tschechischen Bauwirtschaft sind dabei sicher nicht von Nachteil.








