14.12.2009 13:40
Bauguide Mittel- und Osteuropa 2010
Ungarn: Sanierungen mit Stützfunktion
Ohne Zweifel, Ungarn steckt tief in der Krise. Die Finanzkrise hat das aufkeimende Wirtschaftswachstum in Ungarn wieder abgestochen. Hoffnung geben der Tiefbau und die anhaltend gute Konjunktur in der thermischen Wohnbausanierung.
Erika Teoman-Brenner, Handelsdelegierte für Ungarn: "Sinkende Einkommen, gekoppelt mit einer empfindlichen Verteuerung der Kredite, führen dazu, dass der Wohnbau praktisch zum Erliegen gekommen ist."
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Nicht erst seit dem Banken-Crash ist Ungarn wirtschaftlich marode. Schon davor hat eine unverantwortliche Wirtschaftspolitik, die massiv Steuermittel von den produktiven Teilen der Bevölkerung zu den Unproduktiven umverteilte, das Land in eine schwierige Position gebracht. Bereits 2007 schrumpfte der Inlandskonsum real um drei Prozent. Einzige Stütze war der Export. Mit der Wirtschaftskrise war auch diese Säule dahin. Eurostat rechnet für 2009 mit einem realen Minus des BIP von über sechs Prozent. Danach geht es nur sehr langsam aufwärts. Auch wenn die Spekulationen über einen Staatsbankrott übertrieben waren, benötigte Ungarn die Hilfe der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds. Infolge wird der Staat zum Sparen gezwungen. Dies dürfte aber im Wesentlichen nur Pensionisten und Staatsdiener treffen, denn aus den aktuellen Planungen sind keine Kürzungen bei öffentlichen Infrastrukturprojekten abzuleiten. Ganz im Gegenteil, Investitionen in den Tiefbau sollen in den nächsten Jahren steigen. Mit einem solchen Programm kann Ungarn auch als Benchmark für Österreich herhalten.
Weniger Neubaubewilligungen
Auch in Ungarn muss die Wirtschaftskrise für den Markteinbruch im Wohnbau herhalten, möglicherweise zu unrecht. Denn anhand der seit Jahren sinkenden Neubaubewilligungen und Fertigstellungen konnte man bereits Anfang 2008 eine negative Entwicklung voraussehen. Infolge verliert die Konjunkturstütze der letzten Jahre stark an Dynamik und schrumpft 2009 voraussichtlich um real -1,8% gegenüber 2008. Verantwortlich dafür ist ausschließlich der Neubau mit -9,8%, während die Renovierung mit +12,4% dagegen hält. In keinem MOEL ist der Anteil der Wohnbausanierung an der gesamten Wohnbauproduktion höher als in Ungarn. Unterstützt durch ein nationales Förderprogramm zur Verbesserung der Energieeffizienz von Wohngebäuden im Bestand, wächst die Bauproduktion konstant. Das Programm übernimmt bis zu 30 Prozent der anfallenden Kosten, unabhängig von weiteren lokalen oder regionalen Zuwendungen. Auch in diesem Punkt kann Ungarn Österreich als Role Model dienen. In der Tat schlimm erwischt es den Nicht-Wohnbau. Die Nachfrage schrumpft 2009 voraussichtlich um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insbesondere Betriebe, deren Nachfrage zum Großteil vom Inlandsmarkt kommt - wie etwa der Einzelhandel - üben sich in Vorsicht. Insgesamt schrumpft damit die Hochbauproduktion 2009 real voraussichtlich um -6,3% gegenüber dem Vorjahr.
Die meiste Freude bereitet der Bauwirtschaft in Ungarn der Tiefbau. Nachdem sich die Bauproduktion zwischen 2006 und 2008 um mehr als die Hälfte reduzierte, gibt es 2009 wieder ein Wachstum von real +12,4% gegenüber dem Jahr davor. Treiber sind im Wesentlichen Projekte der Verkehrsinfrastruktur. Und auch für die nächsten Jahre sind Ausgabensteigerungen in etwa gleichem Ausmaß geplant. Insgesamt schrumpft die ungarische Bauproduktion 2009 real nur um -0,8% geg. VJ und entwickelt sich damit deutlich besser als die Gesamtwirtschaft.
Stütze der Wirtschaft
Auch 2010 ist die Bauwirtschaft voraussichtlich Stütze der Konjunktur. Dank weiterhin kräftiger Investitionen in den Tiefbau dreht die Nachfrage insgesamt mit knapp einem Prozent wieder auf Wachstumskurs. Weniger gute Aussichten gibt es laut KREUTZER FISCHER & PARTNER | Marktanalyse (KFP) für den Hochbau. Im Wohnbau gehen die Experten von -1,6% aus, trotz anhaltend guter Auftragslage in der Wohnbau-Renovierung. Im Nicht-Wohnbau dauert die Baisse noch ein weiteres Jahr. KFP prognostiziert für 2010 -6,4% gegenüber 2009. Paradoxerweise ein Grund dafür sind auch die in Ungarn vergleichsweise langsam steigenden Immobilienpreise. Mit Ausnahme von Budapest ist Ungarn daher für aggressive Immobilienentwickler von Büro- und Geschäftsgebäuden wenig interessant. Und auch die angekündigten internationalen Projekte im Bereich Automotive und Pharma könnten doch noch der Wirtschaftskrise zum Opfer fallen.
Etwas Entspannung gibt es für Bauherren dafür an der Preisfront. Während die Inflation 2009 um voraussichtlich mehr als vier Prozent steigt, fallen die Baupreise um fünf Prozent in den Keller. Das ist Europaspitze. Bauen ist aktuell real um neun Prozent billiger als noch vor einem Jahr. Wenn das kein Grund für neue Projekte ist.








