SOLID
20.11.2009 07:35

Branchenbeobachtung

Heimische Dämmunternehmen verhalten optimistisch

Österreichische Dämmunternehmen werden heuer keine großen Zuwächse verzeichnen - allerdings auch keine Einbrüche, wie sie die gesamte Baubranche hinnehmen muss. Doch trotz voller Auftragsbücher läuft nicht alles glatt für diesen Sektor.

Die heimischen Dämmunternehmen sind vorsichtig optimistisch gestimmt. Zwar wird das Geschäft im Vergleich zum Vorjahr heuer keine wesentlichen Zuwächse verzeichnen, zu Umsatzeinbrüchen, wie sie die Baubranche generell hinnehmen musste, wird es aber nicht kommen. 2010 sieht man positiv entgegen.

Mit Strukturproblemen habe man aber trotzdem zu kämpfen, geht aus einer Aussendung des Verbandes der österreichischen Dämmunternehmungen VÖDU hervor, der die Interessen von Betrieben im Bereich Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutz vertritt.

Reaktion mit zweijähriger Verspätung


"Wir sehen das kommende Jahr noch positiv, für 2011 und 2012 sind wir mit den Prognosen über den Geschäftsverlauf aber vorsichtig. Mögliche negative Auswirkungen in der Baubranche spüren wir erst mit einer zweijährigen Verspätung, da unsere Leistungen ab Projektplanung erst nach zwei Jahren gefordert sind", so Thomas Stangl, Vorstandsmitglied des VÖDU.

Der Umsatz der Dämmbranche habe sich 2008 auf rund 180 Millionen Euro belaufen. Für 2009 erwartet der VÖDU ein leichtes Wachstum. Rund 1.700 Beschäftigte arbeiten in diesem Bereich in Österreich.

Volle Auftragsbücher - Problemfeld Industrie

Kraftwerksbau und Haustechnik werden die stärksten Umsatzbringer im nächsten Jahr sein, glaubt man beim Verband. Momentan würden die Bautätigkeiten im Wohn- und Siedlungsbau, Investitionen in öffentliche Gebäude, Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen noch für volle Auftragsbücher sorgen. Als Problemfeld wird die Industrie gesehen. Hier würden bereits Rückgänge bei Anlagendämmungen und Wartungsarbeiten verzeichnet.

Kritisch sieht der VÖDU den Preisverfall bei Großprojekten. Ebenso lasse die Zahlungsmoral nach, was besonders kleinere Betriebe in Bedrängnis bringen könnte. Etwas neidisch schielt man da nach Deutschland. Im Rahmen der Energieeinsparverordnung seien Rohr- und Armaturendämmungen nämlich bereits verpflichtend. Der Rauchfangkehrer müsse darauf ganz explizit drängen.

Mangel an Nachwuchs

Der VÖDU tritt weiters für einen stärker reglementierten Zugang zum Gewerbe ein. Damit es zu keinen Qualitätseinbußen komme, sei eine Unternehmerprüfung und eine entsprechende Ausbildung Voraussetzung für den Erwerb des Gewerbescheins.

Wie fast alle Branchen klagen auch die Dämmunternehmen über Facharbeitermangel und zu wenige geeignete Lehrlinge. "Wir bemerken hier ein Stadt-Land-Gefälle. In den Städten ist es besonders schwer, geeignetes Personal zu finden", so VÖDU-Vorstand Martin Greiner. Es gebe massiven Nachwuchsmangel, gleichzeitig sei nicht jeder für den Job geeignet. Mathematische Fähigkeiten brauche es genauso wie handwerkliches Geschick. "Schließlich geht es um präzise Millimeterarbeit", so Greiner.

Schwieriger Ausblick


"Wie sehr wir die Auswirkungen der Wirtschaftskrise 2011 und 2012 zu spüren bekommen, können wir momentan noch nicht konkret abschätzen", meint Verbands-Obmann Manfred Szamuhel. Eine Förderung technischer Isolierung sowie eine strengere Reglementierung des Gewerbezugangs wären aber in jedem Fall hilfreich. "Wenn unqualifizierte Firmen auf den Markt drängen und in Unkenntnis der Erfordernisse mit nicht-kostendeckenden Preisen agieren, sind wir nicht mehr wettbewerbsfähig. Da spreche ich wohl im Namen der ganzen Branche", so Szamuhel. (APA/pm)

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