15.06.2010 16:06
Bürocheck
Achtung, fertig, Haus!
Josef Gruber bekommt nicht so leicht kalte Füße. Weder als Hobbypilot, noch als Geschäftsführer der Vario-Bau im fußboden-beheizten Büro in Wiener Neustadt. von Robert Koch
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Was ist das hier bloß? Aufsehen erregende zeitgenössische Architektur? Nein. Ein minimalistischer Zweckbau? Auch nicht. Ein typisches Fertighaus? Ja und nein. Jedenfalls ist das Bürogebäude der Vario-Bau in Wiener Neustadt der Ausdruck dessen, wie sich das Unternehmen nach innen wie nach außen präsentieren will.
Schließlich wurde die Firmenzentrale des Fertighaus-Herstellers nach eigenen Plänen gebaut. Und so gibt sich Geschäftsführer Josef Gruber „rundherum zufrieden“.
Design und Sparsamkeit
Im Inneren bietet das Gebäude eine große Bandbreite an Geschmacksnoten. Hier der großzügige Empfangsbereich mit dem individuell geschwungenen Pult. Gleich nebenan eines der Besprechungszimmer – alles schön ordentlich, mit Teppichboden und Dracena-Palme. Doch irgendwie fehlt hier der Schwung. Die Büros bieten ausreichend Fläche, aber nicht gerade ein Übermaß an Raumhöhe. Die Möblierung lenkt die Mitarbeiter sicher nicht durch ihr Design von der Arbeit ab. Ein großzügiges Flair hingegen strahlt das Bemusterungszentrum aus. Hier können die Kunden unter einem wellenförmig geschwungenen Dach in aller Ruhe die Details für ihr Fertighaus auswählen: vom Fenstertyp bis zum Dachziegel, vom Fußbodenbelag bis zur Alarmanlage.
Von Gestaltungswillen zeugen auch der üppig begrünte Innenhof mit Kirschbaum sowie der geschwungene, beidseits verglaste Verbindungsgang zwischen Bürotrakt und Bemusterungszentrum. „Die Kommunikation soll nicht nur während, sondern auch am Rande der Tätigkeit funktionieren. Dafür gibt es Aufenthaltsräume für Raucher und Nichtraucher“, sagt Gruber. Und die drei Herren neben der Küchenzeile wirken durchaus kommunikativ.
Im Chefbüro dominiert gehobener Büromöbelstandard. In einer Raumecke mit Besprechungstisch hat Gruber Repliken von Wolfgang Hutter aufgehängt, um ein wenig Farbe in sein Büro zu bekommen. Den Quellstein mit dem beruhigenden Plätschern benötigt Gruber nicht all zu oft: „Mal sehen, ob er noch funktioniert.“ Denn die wahre Entspannung findet er nicht im Büro, sondern über den Wolken. Davon zeugen die Fotos und der Fliegerkalender an den Wänden. „Da fühlt man sich wohl, wenn man ab und zu einen Blick darauf werfen kann“, meint der passionierte Hobbypilot und freut sich auf seinen nächsten Flug über die Alpen zu seiner Zweigstelle in Bozen.
Warme Füße
Eine Besonderheit für ein Bürogebäude ist die Fußbodenheizung. Kalte Füße sind bei Vario-Bau ausgeschlossen. Aber werden sie nicht manchmal zu warm? „Nein. Wir haben eine sehr gut dimensionierte Fußbodenheizung“, erklärt Gruber. „Solche Probleme gab es nur früher in weniger gut gedämmten Gebäuden. Außerdem wurden früher die Leitungen in einem großen Abstand verlegt, wodurch man mit relativ hoher Vorlauftemperatur von 30 oder 32 Grad fahren musste. Heute reichen 23 oder 24 Grad.“
Seit zehn Jahren hat Vario-Bau nun schon Passivhäuser im Programm. „Die Nachfrage ist vorhanden, aber es scheitert oft an den Mehrkosten von rund 10 bis 15 Prozent“, erläutert Gruber. 85 bis 90 Prozent der Kunden geben sich letztlich doch mit einem Niedrigenergiehaus zufrieden. Die meisten der Fertighäuser aus Wiener Neustadt – vom biederen Satteldachhäuschen über die sonnenanbetende Holz- und Glaskiste bis zur historisierenden Villa – erreichen einen Heizwärmebedarf von unter 40 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr. „Wir setzen hauptsächlich Fenster mit 3-Scheiben-Verglasung ein“, so Gruber. „Da die Glasflächen heute immer größer werden, ist es umso wichtiger, dass auch sie gute Dämmeigenschaften aufweisen.“
Keine Spur von Krise
Von der allgemeinen Wirtschaftslage blieb Vario-Bau bis jetzt unbeeindruckt. „Wir haben nach wie vor eine sehr gute Auslastung“, sagt Gruber. „Was man merkt, ist eine etwas verzögerte Entscheidungsfreudigkeit bei den Kunden.“ Die Nachfrage nach Einfamilienhäusern sei leicht zurückgegangen, dafür habe sich diese im Bereich von Wohn- und Reihenhausanlagen sowie kommunalen Einrichtungen wie Kindergärten oder Schulen etwas verstärkt. „Einen echten Zuwachs haben wir beim Export, vor allem nach Italien, Schweiz, aber auch Griechenland.“ Somit stehen Hobbyflieger Gruber einige Dienstflugreisen in nächster Zeit bevor.












