17.05.2010 08:18

Bürocheck

Holzbau mit Lobby

Joachim Reitbauer, Geschäftsführer des Holzclusters Steiermark, hat drei Arbeitsplätze: in Graz, in Zeltweg und vor allem in seinem Auto.

Ein eigenes Chefbüro wäre eine schlechte Investition, meint Joachim Reitbauer. Denn der Geschäftsführer des Holzclusters Steiermark, von proHolz Steiermark und des Holzinnovationszentrums – hiz - in Zeltweg ist ständig auf der Achse.

Als Cluster-Chef versucht er, die Holzbranche der grünen Mark zu vernetzen und Innovationen voranzutreiben. Als proHolz-Lobbyist will er den Holzverbrauch anzukurbeln und vor allem den Holzbau. Das hiz schließlich gibt Firmen der Branche den Raum, um sich in unmittelbarer Nachbarschaft anzusiedeln und Synergien zu nutzen. Zur Zeit ist das hiz völlig ausgebucht, nun soll die Fläche erweitert werden.

Arbeitsplatz-Karussell

„Wenn ich hier in Zeltweg arbeite, dann im Besprechungsraum oder an einem freien Schreibtisch“, erklärt Reitbauer. „In Graz habe ich eine kleine Kemenate, aber die wird bei Bedarf auch von anderen Mitarbeitern genützt. Wir haben eine offene Arbeitsplatzstruktur.“ Gerne nimmt er auch in der Lobby des Bürogebäudes Platz. Denn diese wird von zwei exquisiten Stücken aus dem hauseigenen Wettbewerb „design-in-zirbe“ geziert. Das Wandpaneel „Zirp“ des Wiener Architekten Andreas Mangl dient der Optik und schluckt Schall. Das Zirbenholz-Ledersofa von Armin Austerhuber und Günther Gallob lädt zum Verweilen ein. „Auf dieser Bank sind schon eine Reihe von Projekten entstanden“, so Reitbauer. Und dafür sind möglicherweise nicht nur das Design, sondern auch die ätherischen Öle des Zirbenholzes verantwortlich. Zirbenmöbel sollen – so eine Studie von Joanneum Research – beruhigend auf den Kreislauf wirken und die Kommunikation fördern.

Wer möchte, kann schon direkt hinter dem Eingang an den Düften verschiedener Holzarten schnuppern, die stilgerecht in Holzflacons aufbewahrt werden. Bei aller Liebe zum Holz will es Reitbauer aber nicht übertreiben: „Wir wollten im Innenraum nicht nur Holz, also keinen rustikalen Stil, der uns erschlägt.“ Weiße Wandflächen und Akustikplatten an der Decke sorgen für die nötigen Kontraste. Auch das Gebäude, ein Holzskelettbau, enthält Beton als Speichermasse, vor allem das Stiegenhaus, aber auch Betonscheiben in manchen Wänden. Abgesehen von der Lobby, sind die Büros großteils mit Möbeln aus furnierten Pressspanplatten ausgestattet. Alles in Massivholz einzurichten, wäre viel zu teuer gekommen.

Private Clusterbildung

Reitbauer schwärmt von der schönen Umgebung mit dem Zirbitzkogel als höchster Erhebung: „Wir sind der schönste Industriepark der Welt.“ Und so nutzt er diese Gegend auch gerne für gemeinsame Freizeitaktivitäten mit Mitarbeitern und Kollegen aus anderen Firmen im hiz. Immer wieder stehen Schitouren, Wanderungen oder Thermenbesuche auf dem Programm. „Unser Motto lautet: Mit Spaß Erfolg haben. Wir haben untereinander sehr viel Spaß, identifizieren uns aber hundertprozentig mit der Aufgabe“, philosophiert Reitbauer.

Etwas befremdlich wirkt die holzfasergebundene Zementplatte vor dem Eingang. Während rundherum Holz und Glas die Fassade dominieren, versprüht diese monoton graue Fläche den Charme von Asbest. Oder soll sie zeigen, dass man mit Holz nicht nur rustikal oder stylisch, sondern auch hübsch hässlich bauen kann?

Energie aus Holz

Sehr stimmig ist dagegen die Energieversorgung des Gebäudes. Nicht weit vom stillgelegten Kohlekraftwerk versorgt ein 10-MW-Holz-Heizkraftwerk das gesamte Gelände mit Fernwärme und Strom. Auf eine Klimatisierung oder kontrollierte Belüftung des Niedrigenergiegebäudes wurde verzichtet. Lediglich die Serverräume müssen klimatisiert werden. „Der Abfall des Einen ist der Rohstoff des Anderen“, erläutert Reitbauer ein weiteres Nachhaltigkeitsprinzip im Leitbild des Standorts. „Wir wollen Verkehr vermeiden und Arbeit schaffen.“ Nur die Holzasche muss zur Zeit noch auf Deponien entsorgt werden. Nun wird in einem Forschungsprojekt untersucht, ob diese als Düngung im Wald ausgebracht werden kann.

In Zeltweg ist man stolz auf Holz und demonstriert dies auch. Ein Betonkobel mit Kunststofffenstern wäre hier sicher fehl am Platze gewesen. „Wir sind keine Holzfanatiker“, weist Reitbauer jedoch jeglichen Fundamentalismus von sich und meint nicht ganz ohne Augenzwinkern: „Ich habe nichts gegen Plastik. Das ist auch Holz, nur ein wenig älter und unter Druck gereift.“ Robert Koch

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