15.07.2010 09:37
Bürocheck
Tiefgründig und plakativ
Die Ergebnisse von Peter Außerlechners Arbeit liegen im Untergrund verborgen. Umso lieber zeigt sie der Geschäftsführer von Bauer Spezialtiefbau im Bürogebäude her. von Robert Koch
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Als sich die Bauer Spezialtiefbau Ges.m.b.H. vor 19 Jahren in der Warneckestraße ansiedelte, war die Gegend noch eine „Gstettn“. Abgesehen von wild wucherndem Grün fand die Firma beim Bau ihrer Wiener Niederlassung vor allem Müll wie Autoreifen und Kühlschränke vor. Da Gummi und Elektroschrott einen denkbar schlechten Untergrund für Fundamente bilden, wurde das nötig, was zur Kernkompetenz des weltweit agierenden Konzerns gehört: eine Tiefgründung.
Heute präsentiert sich das Areal aufgeräumter: In der Mitte das Büro-, Werkstätten- und Lagergebäude, dessen Vorderseite seit seiner Aufstockung im Jahr 2008 an eine Stufenpyramide erinnert. Links davon der Parkplatz für die überdimensionalen Baumaschinen. Rechts eine Art industrieller Märchenwald, bestehend aus Bohrern und anderen rostigen Werkzeugen im XXL-Format, die ihrer Wartung harren.
Es lebe die Herausforderung
„Kein Baugrund ist wie der andere“, sagt Peter Außerlechner. „Natürlich machen wir Aufschlussbohrungen. Trotzdem können in den vielleicht 50 Metern zwischen den Bohrungen andere Bodenverhältnisse vorherrschen.“ Doch Herausforderungen wie diese machen seine Arbeit erst richtig spannend. Bevor der gebürtige Tiroler Geschäftsführer der Österreich-Niederlassung wurde, arbeitete er eine Zeit lang im bayerischen Stammsitz der Bauer-Unternehmensgruppe sowie vier Jahre in Saudi-Arabien. Von Wien aus baute er dann auch einige Osteuropatöchter auf.
„Wir haben das Problem, dass man unsere Leistungen in der Regel nicht sieht“, erklärt Außerlechner. Egal mit welcher Technik der Untergrund tragfähig oder wasserdicht gemacht wird, am Ende verschwindet alles unter Gebäuden oder Erdreich. Diesen Umstand versucht Außerlechner zu kompensieren. Im Stiegenhaus und auf den Gängen reihen sich die Fotos von Baustellen und ihren Resultaten. Auf Schritt und Tritt wird man mit dem Firmenlogo konfrontiert: Selbstverständlich an der Fassade, aber auch an der Wand des großen Besprechungsraumes. Im kleinen Besprechungszimmer demonstriert Außerlechner mit einem Bauer-Wimpel, was passiert, wenn man Hochhäuser ohne Spezialtiefbau ausführt – der Schiefe-Turm-Effekt nämlich.
Corporate Identity ohne Kompromisse
In seinem Büro freut sich der Golfspieler über Golfbälle mit Logo - eine Firmenkrawatte gibt es auch. Können sich Außerlechner und seine Geschäftspartner einmal nicht einigen, drehen sie den „Decision Maker“ - auch mit Logo - am Schreibtisch. Ob dessen Lösungsvorschläge wie „Yes“, „No“, „Fire someone“ oder „Ask Mom“ wirklich immer die richtigen sind, sei dahingestellt. Auf einem Büroschrank betreibt der Geschäftsführer seine eigene kleine Baustelle mit Modellen der firmeneigenen Baumaschinen und bewahrt Fläschchen mit hochprozentigem Inhalt auf. Das Etikett erinnert an die jeweilige Baustelle – und auch hier darf das Logo, wenn auch nur winzig klein, nicht fehlen. Last but not least ist selbst das Gemälde im Chefbüro in den Firmenfarben gehalten.
„Meinen Balkon könnte man als Kommandostand nutzen“, grinst Außerlechner. Freilich kann man sich den schlanken Manager im dunklen Anzug kaum vorstellen, wie er die Baumaschinenfahrer in ihre Parkplätze einweist: „Geht, geht, geht, halt!“ Doch hin und wieder schlüpft auch er in Gummistiefel, Pullover und Helm. Das entsprechende Baustellen-Outfit hat er immer im Kofferraum.
Bauer Spezialtiefbau hat heute auch Energiepfähle und Schlitzwände mit integrierten Energieleitungen zum Heizen und Kühlen mit Erdwärme im Programm. Bei der Errichtung der Österreich-Niederlassung steckte die Geothermienutzung allerdings noch in den Kinderschuhen. So wird das Gebäude mit Gasheizung und Klimaanlage betrieben. Auch so mancher Kunde von heute lässt die Chance auf die klimafreundliche Erdwärme sausen. „Es ist immer eine Frage der Investition und Amortisation, und nicht alle Bodenverhältnisse eignen sich zur Energiegewinnung“, erläutert Außerlechner. Außerdem wird zur Tiefengründung nicht immer gebohrt, manchmal bloß gerüttelt. Und das würde keine Leitung aushalten.










