SOLID
05.05.2011 12:52

Fünf außergewöhnliche Projekte

Baustelle als Bühne

Es ist der höchste begehbare Holzturm Europas, errichtet eigens für die Besucher der größten Baustelle Österreichs. Das temporäre Bauwerk "bahnorama" besticht jedoch nicht nur als Mittel der Kommunikation - sondern als höchste Präzisionsarbeit.

bahnorama
© Graf Holztechnik

Der 66,7 Meter hohe Aussichtsturm bahnorama am Wiener Hauptbahnhof ist ein temporäres Bauwerk. Beim Aufbau wurde bereits die Demontage mit berücksichtigt.

bahnorama
© Graf Holztechnik

Die Besucher erhalten einen Überblick über die laufenden Bautätigkeiten. Das Informations-Zentrum ist ein zweistöckiger Holz-Skelettbau.

bahnorama
© Graf Holztechnik

Im Eingangsgebäude befindet sich eine spannende Ausstellung. Der Turm ragt wie ein Denkmal über das gesamte Gebiet.

Fink, Bauer, Koiner, Herzog, Urban, Bautech-Preis
© Michael Hetzmannseder

Den Hauptpreis in der Kategorie "Klein und Mittelbetriebe" ging zum Projekt bahnorma am Wiener Hauptbahnhof. Juror Josef Fink, Michael Bauer (Graf Holztechnik GmbH), SOLID-Chefredakteurin Priska Koiner, ÖBB-Mann Sigi Herzog (ÖBB Infrastukrut Bau AG) und Franz Urban (MA29)

 

Es gibt wohl kaum einen Wiener, der nicht weiß, was da im Südosten der Stadt entsteht: Der neue Hauptbahnhof mitsamt einem ganzen angrenzenden Stadtteil ist die größte Baustelle des Landes. Doch wie riesig das Areal wirklich ist, sieht man erst von oben. Genau gesagt, aus 41 Metern Höhe - gleichsam auf halber Strecke zwischen dem Baustellenlärm und dem Himmel.

Zu verdanken ist diese einmalige Aussicht der Besucherplattform des "bahnorama". Der höchste begehbare Holzturm Europas misst freistehend 67 Meter und wurde eigens für neugierige Blicke nach unten errichtet. Genau diese Idee war für die Jury einer der Gründe dafür, die niederösterreichische Firma Graf Holztechnik für die Umsetzung mit dem Preis in der Kategorie "Klein- und Mittelbetriebe" auszuzeichnen.

Demontage mitgeplant

"Mit diesem symbolischen Bauwerk ist es gelungen, die Menschen zur größten Baustelle des Landes zu bringen", begründet Jurysprecher Josef Fink die Entscheidung der Experten.  Der Zweck sei erfüllt, wenn Menschen diesen Turm nutzten, um das Entstehen des Hauptbahnhofs mitzuerleben. Das ist offensichtlich der Fall: Mehrere zehntausend Besucher nahmen seit der Fertigstellung im August 2010 einen der zwei Panoramaaufzüge nach oben.

Doch genauso bestechend bei "bahnorama" ist die Konstruktion. 26 Meter Höhe wollten die Bauherren ÖBB und die Stadt für ein neues "temporäres Informationsgebäude", doch viel weiter als zum benachbarten Gürtel sieht man da nicht. RAHM architekten boten ihnen knappe 70 Meter - und bekamen den Zuschlag. Die Umsetzung übernahm das Team von Graf Holztechnik. Der Clou: Ein filigranes Bauwerk aus Holz, das ökologisch und kostengünstig ist, schnell montiert - und auch demontiert. Denn "bahnorama" bleibt nur bis 2015.

180 Tonnen heimisches Holz

Heute sieht man das der Stabilität des Bauwerks mit seinem Gewicht von 180 Tonnen nicht an. Auf einer einen Meter dicken Stahlbetonplatte ruht eine 3,5 Meter hohe Stahlkonstruktion mit sechs Säulen. Die Holzkonstruktion darauf besteht aus sechs jeweils sechsteiligen Stützen, die einzelnen Stäbe aus heimischem Fichtenbrettsperrholz messen im Querschnitt 20 mal 20 Zentimeter. Die Stützen sind mit mehrteiligen Querriegeln ausgefacht, Zugdiagonalen aus Stahl steifen den Turm zusätzlich aus. Ein kleines Schmankerl ist der extra für "bahnorama" kreierte kompakte Systemknoten aus Formrohrstahl mit Stabdübeln und Passbolzen, der die Bauzeit wesentlich beschleunigte.

Beim Aufbau war Präzisionsarbeit unter schwierigsten Bedingungen befragt. In vier Modulen wurden die sechsteiligen Stützen am Boden vormontiert und zu Turmsegmenten zusammengeschraubt, am Ende jeweils 15 Meter lang und 45 Tonnen schwer. Danach dirigierte sie ein 400-Tonnen-Kran millimetergenau auf ihren Platz in luftiger Höhe.

Höchste Genauigkeit war nicht alles, womit das Team von Graf Holztechnik zu tun hatte. Beim dritten Modul kam ein heftiger Sturm auf und machte die Arbeiten zu einer echten Herausforderung. Trotzdem schaffte die Mannschaft die Aufstellung des Turms in drei Wochen.

Peter Martens

 

Kasten:
Bauzeit: Oktober 2009 – August 2010
Kosten: 1,8 Millionen Euro
Auftraggeber: ÖBB Infrastruktur Bau AG und Stadt Wien
Firma: Graf-Holztechnik GmbH

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Die Summe aus 4 + 4:
Loryn, 20.12.2011 12:50
Re: Die Siegerprojekte des Bautech-Preises 2011
Woot, I will cetranily put this to good use!