17.05.2010 05:51
Interview
"Das ist sehr bedenklich"
Friedrich Schneider, Ökonom und der Experte für Schattenwirtschaft, plädiert aus volkswirtschaftlichen Gründen für einen Handwerker Bonus, rechnet optimistisch, und glaubt ans Gute im Menschen.
SOLID: Herr Professor Schneider wo drückt der Schuh, wenn Sie an die Bauwirtschaft denken?
Friedrich Schneider: Wäre die Bauwirtschaft im letzten Jahr so gewachsen wie der Pfusch, dann hätten wir viele Sorgen weniger. Denn Schwarzarbeit kann für 2009 auf ein Wachstum von plus vier Prozent blicken. Der einzig volkswirtschaftlich richtige Ansatz für dieses Problem ist die Frage: Wie können wir diese wirtschaftlichen Aktivitäten, die offensichtlich vorhanden sind, so umleiten, dass die Allgemeinheit profitiert? Also Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden, der Finanzminister Steuern kassiert und damit ein Wirtschaftsaufschwung herbeigeführt wird.
Der Prozentanteil des Bruttoinlandsprodukts ist aber 2009 mit 8,47 Prozent noch lang nicht so hoch wie in den Jahren 2000 bis 2005, wo er über 10 Prozent lag. Ist das Problem doch nicht so drastisch derzeit?
Schneider: Durch Entlastungsmaßnahmen der Regierung ging ab 2000 der Pfusch zurück. Allerdings hat sich in den letzten zwei Jahren, in denen die Wirtschaftskrise in Österreich angekommen ist, auch die Einstellung geändert. Das ist sehr bedenklich in Zeiten, in denen die Unternehmen Aufschwung brauchen. Denn auf historischem Tiefstand steht heuer das Unrechtsbewußtsein. Nur jeder Fünzigste spricht sich dafür aus für Pfuscher hohe Geldstrafen zu verhängen.
Hängt dieses fehlende Rechtsbewußtsein nicht mit der allgemeinen Verunsicherung und Solidaridät in Krisenzeiten zusammen?
Schneider: Aus meiner Sicht wird über Pfusch kompensiert. Viele Menschen sind in Kurzarbeit gewesen oder noch immer. Sie verdienen weniger Geld in ihrem Brotberuf und bessern mit Schwarzarbeit die Haushaltskasse auf. Oder umgekehrt gedacht: Sie könnten sich gewisse Reparaturen oder Bautätigkeiten nicht leisten, wenn Sie von offiziellen Firmen ausgeführt werden. Da würde ein Handwerker-Bonus eine schnelle, wirksame Lösung sein, wie sich in Deutschland zeigt.
Das Thema Pfusch ist ein altes, der Handwerker-Bonus ebenso. Welche Alternativen gäbe es noch, um die Wirtschaft – die Klein- und Mittelbetriebe am Bau – zu unterstützen? Und warum wird darüber nicht geredet?
Schneider: Der Handwerker-Bonus steht in der Priorität ganz hoch oben, da er rasch umsetzbar ist und ebenso rasch wirkt. Ich wäre froh, wenn er einmal in Österreich umgesetzt werden würde. Selbstverständlich gibt es weitere Maßnahmen wie die steuerliche Absetzbarkeit von wirtschaftlichen Leistungen oder Minijobs. Minijobs ermöglichen Einkünfte bis zu 500 Euro im Monat mit geringer Pauschalbesteuerung. In Beligen setzt man auf das Luxemburger Modell, bei dem in Abschwungphasen die Mehrwertssteuer ein Jahr ausgesetzt wird.
Was kann der Handwerker-Bonus konkret durchgerechnet dem Staat bringen?
Schneider: Wenn das System einschlagen würde und jeder Zehnte statt Pfusch offizielle Aufträge erteilen würde, so kostet das den Staat 300 Millionen Euro und reduziert die Schattenwirtschaft zugleich um 1 bis 1,7 Milliarden Euro. Das ist optimistisch gerechnet, das gebe ich zu.
Glauben Sie denn an das Gute im Menschen?
Schneider: Ja.












