23.06.2010 20:33
Interview
"Ein zartes Pflänzchen"
Die Zementindustrie ist stark unter Druck. Rudolf Zrost, Chef des Unternehmens Leube in Salzburg, sorgt sich um den Neubau, kann den CO2-Zertifikate-Handel nichts Gutes abgewinnen und favorisiert eine CO2-Steuer.
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SOLID: Herr Zrost, warum ein so sorgenvoller Blick?
Rudolf Zrost: Wenn ich mir das Jahr 2009 ansehe, so musste die Zementindustrie 16 Prozent Produktionsminus hinnehmen. Das ist ein harter Schlag. Was mich sorgt ist der Blick in die Zukunft. Seit dem Jahr 2006 gehen die Baubewilligungen stetig zurück. Für die nächsten zwei Jahre prognostiziert das WIFO weiter einen Rückgang, während gleichzeitig die österreichische Bevölkerung zunimmt. Die Schere Wohnungsbedarf und Neubau geht immer weiter auseinander, womit Österreich eine Wohnnungsnot bevorstehen könnte.
Die Zementindustrie hängt doch nicht nur vom Wohnungsneubau ab.
Zrost: Der Wirtschaftsbau kommt trotz ersten Anzeichen noch nicht in Schwung und ist noch ein zartes Pflänzchen. Die Gemeinden haben überhaupt kein Geld mehr und sind finanziell nicht mehr handlungsfähig.
Im vorigen Jahr war der Zukauf von CO2-Zertifikaten ein Thema mit astronomischen Summen – wie sieht es heuer damit aus?
Zrost: Wir als Unternehmen mussten 80 Tonnen Zertifikate zukaufen, andere dagegen wesentlich mehr oder weniger. Das derzeitge System arbeitet mit einem gravierenden Fehler: Als Ausgangspunkt der Berechnung nahm die Europäische Union den durchschnittlichen Verkauf zwei vorangegangener Jahr. So wird jedes Unternehmen an seiner eigenen Messlatte gemessen. Wer wirtschaftlich erfolgreich war und jetzt Einbrüche hinnehmen muss, zahlt hart. Dieses System ist nicht marktkonform.
Das klingt doch fair: Wer viel produzierte zahlt mehr.
Zrost: Wenn eine Tonne, so wie jetzt 15 Euro kostet, ist das verkraftbar. Aber steigt der Preis auf 30 Euro an und sinken die Aufträge weiterhin, dann kann das kein Unternehmen mehr ausgleichen. Durch eine einfache Rechnung könnte dieses System ersetzt werden. Wenn das Umweltministerium pro produzierter Tonne einen Euro kassieren würde, im nächsten dann 1,5 Euro, so wäre jedes Unternehmen gleich behandelt.
Im Jahr 2001 war die Industriellenvereinigung aber noch strikt gegen eine CO2-Steuer für Unternehmen?
Zrost: Die Industrie hat dagegen angekämpft - ja. Doch die derzeitige Systematik haben wir nicht erfunden und laufen beim Verwaltungsgerichtshof dagegen Sturm. Der ökologische Ansatz der EU bringt eine schwere, internationale Marktverzerrung mit sich. Wird etwa Zement aus Libyen importiert, so ist er CO2-Steuer frei und billig. Da die Frachtkosten in der Zementindustrie keine große Rolle spielen, wird damit die europäische Zementindustrie unter Druck gesetzt. Wenn der Zertifkatspreis unter 20 Euro pro Tonne bleibt, ist das noch ausgleichbar, doch darüber bekommen wir ein ernstes Problem.
Mit welcher Strategie lösen sie das Problem bei Leube?
Zrost: Leube ist ein Familienunternehmen. Wenn wir nicht mehr produzieren können, gibt es das Unternehmen nicht mehr. Wir reagierten früh und errichteten im letzten Jahr eine moderne Klinkeranlage, die bereits in der Produktion Kohlendioxyd so stark reduziert wie auf derzeitigem Stand der Technik möglich ist. Andere Unternehmen müssen jedoch mit den Zertifikaten kalkulieren und leben, da eine Katalysatorentechnologie, die in anderen Industriezweigen seit Jahren erfolgreich eingesetzt wird, für den aggressiven Staub bei der Klinkerproduktion zwar technisch möglich, aber noch völlig unwirtschaftlich ist.












