04.09.2009 09:18
Kraftwerksbau
Millionenauftrag für EVN und Alpine in Bulgarien
Ein Konsortium unter Beteiligung der österreichischen Unternehmen EVN und Alpine wird in Bulgarien drei neue Wasserkraftwerke bauen. Der Auftrag hat ein Volumen von 500 Mio. Euro. Beide Konzerne sind bereits umfassend in Osteuropa aktiv.
Erst seit Juli ist die neue bulgarische Regierung im Amt. Nun bringt sie ein energiepolitisches Großprojekt auf den Weg, das seit Jahren nicht vorangekommen ist: Den Bau von drei Wasserkraftwerken am Fluß Gorna Arda im Süden des Landes.
Die Gewinner der Auftragsvergabe sind der niederösterreichische Energieversorger EVN, der Salzburger Baukonzern Alpine und der staatlichen bulgarische Elektrizitätskonzern NEK. Das berichten übereinstimmend die Nachrichtenagenturen Reuters, dpa und APA.
Für die Durchführung bilden die drei beauftragten Unternehmen ein Konsortium unter Führung von EVN, die an der Wiener Börse notiert ist.
440 Gigawatt Strom
Das Projekt sieht den Bau von drei neuen Wasserkraftwerken am Fluss Gorna Arda in Südbulgarien vor. Geplant ist eine Gesamtleistung von 175 Megawatt und im Jahr durchschnittlich 440 Gigawatt Strom produzieren. Hinter der Auftragsvergabe steht der neue bulgarische Energieminister Trajtscho Trajkow, der übrigens vor seiner Tätigkeit als Minister für die EVN in Bulgarien tätig war.
Das Auftragsvolumen von Gorna Arda beläuft sich auf 500 Millionen Euro, die Bauzeit ist mit fünf bis acht Jahren veranschlagt. Trajkow wird mit der Aussage zitiert, dass das Projekt bis zu bis zu 2.700 Arbeitsplätze sichern soll.
Alpine: Wartezeit erfolgreich zu Ende
Für Alpine ist der Deal das erfolgreiche Ende einer längeren Wartezeit. Seit 2005 realisieren die Salzburger in der Nähe von Gorna Arda den derzeit größten Kraftwerkebau Europas: Tsankov Kamak, der nach seiner voraussichtlichen Fertigstellung Ende 2009 eine Gesamtleistung von 85 Megawatt Strom haben soll und jährlich 188 Gigawatt Strom liefern wird. Neben rund 50 österreichischen Ingenieuren sind auf der Baustelle etwa 1250 bulgarische Bauarbeiter tätig, die wegen Mangel an Fachkräften vor Ort extra für Tsankov Kamak eingelernt wurden.
Alpine-Chef Dietmar Aluta-Oltyan gab sich gegenüber SOLID vor wenigen Wochen auf der Baustelle von Tsankov Kamak zuversichtlich, an der Vergabe des lukrativen Nachfolgeauftrags Gorna Arda beteiligt zu werden. Nun ermöglicht das grüne Licht aus Sofia dem Konzern auch, mit der eigens aufgebauten Mannschaft in Bulgarien weiter aktiv sein zu können.
Wichtiger Schritt auch für EVN
Auch für EVN bedeutet die Entscheidung einen wichtigen Schritt auf dem jungen Markt in Südosteuropa. In Österreich erzeugt EVN bis zu drei Viertel der Elektrizität selbst. Doch in Südosteuropa verfügt das niederösterreichische Unternehmen bis jetzt über keine größeren Anlagen - obwohl es dort bereits über insgesamt 2,3 Millionen Kunden hat.
Davon entfällt mit 1,55 Millionen Kunden der Großteil auf Bulgarien: EVN Bulgaria kontrolliert rund ein Drittel des Endkunden-Marktes des Landes. In Mazedonien zählt die EVN etwa 750.000 Kunden. In der Region der bulgarischen Stadt Plovdiv werden mehr als 40.000 Kunden mit Fernwärme versorgt.
Ein weiteres aktuelles Projekt von EVN sind in Albanien drei Wasserkraftwerke am Devoll-Fluss mit 340 Megawatt (MW) Leistung. Sie werden derzeit für 950 Mio. Euro in Kooperation mit der norwegischen Statkraft hochgezogen und sollen jährlich 1000 Gigawattstunden (GWh) Strom liefern.
Zusätzlich baut die EVN in Albanien ein Flusskraftwerk (Ashta) in Kooperation mit dem Verbund. Bei einer Leistung von 48 Megawatt soll es jährlich 230 GWh produzieren. In Mazedonien verfügt die EVN über elf überwiegend kleinere Wasserkraftwerke. Und in Plovdiv in Bulgarien will sie die Cogeneration-Anlage zur Strom- und Wärmeproduktion vergrößern. (pm/apa)










